7 Top-Technologien gegen das Bienensterben - Re:Levant
Bienentechnologie Bee Technology, High Tech, Israel, Startup Start Up, High Tech Szene

7 Top-Technologien gegen das Bienensterben

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7 israelische Firmen wollen die Welt vor den Gefahren des Bienensterbens retten

Bevor Israel zur Start-up-Nation wurde und sich die klügsten Köpfe des Landes auf Hightech konzentrierten, war Israel ein reiner Agrarstaat. Wer kennt sie nicht, die saftigen Jaffa-Orangen, die in die ganze Welt verschifft wurden? In Kibbuzim und Moschavim überall im Land baute man Baumwolle und Avocados an, im heißen Süden erntete man Datteln und Feigen. 

Da es in Israel schon immer an Arbeitskraft und Wasser mangelte, musste man auch im Landbau schon einfallsreich sein, um damit Erfolg zu haben. Eine der bekanntesten Erfindungen der israelischen Landwirtschaft ist die Tropfbewässerung, die es möglich machte auch in Wüstenklima Obst und Gemüse anzubauen.

Heute sind die Errungenschaften auf diesem Gebiet weniger bekannt. Doch der innovative Geist ruht in Israel nie. Der Drang Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme zu finden, ist nach wie vor eine treibende Kraft in Israels Industrie und Landwirtschaft.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen 7 israelische Firmen vor, die durch verschiedene Bienen-Technologien die weltweite Landwirtschaft und Nahrungsversorgung zu sichern anstreben. Die Ergebnisse sind bedeutend und geben Grund zur Hoffnung.

Bienensterben, ein Überlebenskampf der Menschheit?

Der weltweite Bienenbestand ist in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Übermäßiger Einsatz landwirtschaftlicher Chemikalien und Klimawandel sind für diese Entwicklung mitverantwortlich. Nicht ganz geklärt ist, warum ganze Bienenkolonien kollabieren. Die Mehrheit der Arbeitsbienen verschwindet unerwartet und lässt die Bienenkönigin mit einigen Ammenbienen zurück. Diese können ohne Arbeitsbienen nicht überleben und es kommt zum Kollaps der Kolonie. 

Für die umliegende Landwirtschaft ist das katastrophal, da Bienen die Arbeit der Blütenbestäubung ausführen. Wer übernimmt dann diese wichtige Aufgabe? 

Alles dreht sich um Bestäubung

Die Bestäubung ist einer der bedeutendsten biologischen Prozesse für die Ökosysteme der Welt und der damit verbundenen Nahrungsmittel Gewinnung. Laut dem World Bee Project sind etwa 75 Prozent der weltweiten Pflanzen zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere wie Honigbienen angewiesen damit Samen, Obst und Gemüse gedeihen können. 

Landwirtschaftliche Produktion muss bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent anwachsen, um Nahrungsmittelknappheit zu vermeiden. Dieses Ziel ist ohne den fleißigen Beitrag der Honigbienen nicht erreichbar. Eine sinkende Bienenpopulation bedroht somit direkt die menschliche Existenz. Seit Jahren suchen Landwirte und Wissenschaftler Lösungen für dieses Problem.

Es gibt sicher unendlich viele verschiedene Wege, dieses Dilemma anzupacken. Re:Levant stellt hier sieben israelische Firmen vor, die mit verschiedenen Konzepten die Herausforderung der ausbleibenden Blütenbestäubung angenommen haben.

BioBee – Die Umwelt gesund halten 

Wie etliche erfolgreiche Industrien Israels, hat auch der ökologische Landbau seine ersten Schritte in einem Kibbuz getan. Vor ungefähr 30 Jahren begann Mario Levy ein Experiment in Sde Eliahu im nördlichen Jordantal. Die starke Abhängigkeit der Landwirtschaft von Pestiziden machte ihm Sorgen. Er wollte versuchen, die Landwirtschaft wieder den Naturgesetzen anzupassen.

Mario begann mit ökologischen Anbaumethoden zu experimentieren und vermied synthetische Chemikalien, um die Ernte gesund zu halten. Das Projekt war so erfolgreich, dass das israelische Landwirtschaftsministerium ihn damit beauftragte seine Methoden in ganz Israel umzusetzen.

In Sde Eliahu entstand die Firma BioBee Biological Systems. Das Unternehmen ist heute eines der führenden internationalen Unternehmen auf dem Gebiet der biologischen Schädlingsbekämpfung, der natürlichen Bestäubung und der Bekämpfung von Medfly (Mittelmeer-Fruchtfliege). 

BioBee ist der weltweit führende Produzent von Phytoseiulus persimilis, dem wirksamsten natürlichen Feind von Tetranychus urticae (der rote Spinnmilbe). Im Jahr 2016 verschickte das Unternehmen 500 Millionen „Raubwanzen“ nach Russland, um die Spinnmilben Population zu kontrollieren. 

Mit auf den Weg schickten sie Hummeln, um die Bestäubung von Gemüse zu fördern. Laut BioBee “ist die Hummel ein idealer Bestäuber für Gewächshaus Bedingungen und für Nutzpflanzen im Freien während der Randzeiten“., da sie auch unter kälteren Temperaturen arbeiten kann. Im Kibbuz Sde Eliahu werden Hummeln in Massen gezüchtet.

Edete – Eine Alternative bieten

Die Vision der israelischen Firma Edete ist, der Welt einen Alternativplan zur Insektenbestäubung vorzulegen. Die Firma bietet künstliche Bestäubung mit Präzisionstechnologie als Dienstleistung an.

Wie bewältigt Edete die künstliche Massen Bestäubung ganz ohne Bienen? Der Service besteht aus zwei Stufen: Pollenernte und Pollenverteilung. In der ersten Stufe werden Pollen vorsichtig von Blüten getrennt. Edete hat ein System entwickelt, Pollen über ein Jahr unter passenden Bedingungen zu lagern, ohne dass dieser seine Lebensfähigkeit und Keimfähigkeit verliert.

In der Blütezeit folgt die zweite Stufe. Trockener Pollen wird in Edetes firmeneigene künstliche Bestäuber gegeben, die den Blütenstaub über die Pflanzen versprüht. Die Geräte verwenden elektrostatische Ladung und LIDAR-Sensoren (Englisch: Light detection and ranging) zur Abbildung der Baumkontur, wodurch der Pollen voneinander getrennt und präzise verteilt wird. Die Geräte können Tag und Nacht betrieben werden und decken schnell und gründlich jede offene Blume an allen Obstbäumen einer Plantage ab. 

“Ich glaube, dass sich die Insektenpopulation nicht viel verbessern wird. Es geht nicht nur um Bienen, sondern alle Insekten in der Natur. Wir zerstören sie “, sagt Keren Mimran, Mitgründerin von Edete, in einem Interview mit der News-Site NoCamels. “Aber solange wir unsere Vitamine und Mineralien aus Obst und Gemüse beziehen müssen, werden wir ein Problem haben. Es wird also immer effizientere Lösungen für die Bestäubung geben müssen.“

Beewise – Bienen schützen

Auch künstliche Intelligenz hat ihren Platz unter den Lösungskonzepten. Eine kleine Gruppe enthusiastischer israelischer Umweltfreunde nutzt künstliche Intelligenz, um den Bienen einen gesicherten Lebensraum zu verschaffen. In ihrer jungen Start-up Firma Beewise haben sie den ersten autonomen Bienenstock entwickelt. Alle Aktivitäten des Imkers sind rund um die Uhr automatisiert, was den Ertrag steigert, den Verlust von Kolonien verringert und den Einsatz chemischer Pestizide minimiert.

Die solarbetriebene Bienenbehausung heißt Beehome, wird auf dem Feld des Imkers platziert und kann durch eine einfache App vom Handy überwacht und gesteuert werden.. Ein Roboter kümmert sich in Echtzeit um die Bienen. Die App sammelt und berechnet Daten bezüglich der Menge des Honigs und der Pollen, sowie über die Gesundheit der Bienenvölker. Wenn ein Honig Behälter seine Kapazität von 100 Gallonen erreicht hat, sendet Beehome eine Meldung an den Imker.

BeeHome kontrolliert außerdem fortlaufend die Klima- und Feuchtigkeit Bedingungen in der Behausung und passt diese autonom in Echtzeit nach Bedarf an. Pestizide kommen sofort zum Einsatz, wenn das System feststellt, dass Schädlinge versuchen, in die Bienenhäuser einzudringen. Auch kann Beehome Stressfaktoren bei Bienen wahrnehmen und erkennen wenn sich eine Kolonie auf den Schwarm vorbereitet. Ein Beehome kann bis zu 40 Bienenvölker beherbergen und über eine einfache App gesteuert werden. 

Auch diese Firmen sind nennenswert

BeeHero, in Israel gegründet und in Kalifornien ansässig, ist ein weiteres Unternehmen, das sich den Schutz von Bienen mithilfe von künstlicher Intelligenz zum Ziel gesetzt hat. 

Die Firma installiert spezielle Bienenstocksensoren in existierende Bienenbehausungen. Diese generieren Daten über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Pollenmenge, welche mit den maschinellen Lernalgorithmen von BeeHero analysiert werden und einen Einblick in die Gesundheit des Bienenstocks und die Wirksamkeit der Bestäubung geben. Das System kann außerdem erkennen, ob eine Kolonie unter Stress steht oder gar Anzeichen eines Zusammenbruchs zeigt.

Laut BeeHero hat die Firma im letzten Monat eine weitere Initiative zum Schutz von Honigbienen eingeleitet. Das Unternehmen setzt jetzt auch Fernsensoren ein. Diese erfassen die Migration der räuberischen asiatischen Riesenhornisse und berechnen deren Flugbahn. Imker und Lebensmittel Bauern können daraufhin vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um Bienenstöcke vor der Vernichtung durch Riesenhornissen zu retten.

Ein weiterer Bienenfeind ist die Varroa-Milbe. Die israelische Firma ToBe2 hat sich auf die Bekämpfung dieser parasitären Milbe spezialisiert, die zum Zusammenbruch von Bienenkolonien führen kann. ToBe2 entwickelte ein Gerät namens BeeProTech, zur Verwaltung von Bienenstöcken, das die Abgabe von Anti-Varroa-Verbindungen optimiert. In nur zwei Wochen kann das Gerät laut Angaben des Unternehmens zu einer Reduzierung von Varroa um über 98 Prozent führen.

Bumblebee ist ein Ag-Tech- (oder Agritech-) Startup im Frühstadium, das derzeit eine künstliche Bestäubungsmethode entwickelt. Unter Verwendung von künstlicher Intelligenz versucht Bumblebee, den natürlichen Prozess der Bestäubung nachzuahmen, um die Erträge zu steigern und die Fruchtqualität zu verbessern. 2019 begann das Unternehmen in Peru Versuche mit Avocado Plantagen und Blaubeer Feldern.

Polyam, auch bekannt als Pollination Services Yad-Mordechai, ist auf die Massenproduktion von Hummel Kolonien zur Bestäubung vieler Kulturen sowie auf die Produktion von nützlichen Insekten zur Schädlingsbekämpfung spezialisiert. Kibbutz Yad-Mordechai ist selber einer der größten Honigproduzenten in Israel.

In Israel leben über 1.100 Bienenarten, die von über 500 Imker mehr als 120.000 Bienenstöcke betreut werden.

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Ruth ist Ex-Berlinerin, die sich vor über 30 Jahren in einem israelischen Kibbutz ein Zuhause aufbaute. Heute lebt sie mit Mann und Hund in einer Wohnung mit Gemüsegarten in der Nähe von Jerusalem und schreibt deutsche und englische Marketing Texte für israelische Firmen.

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3 Monate

Sehr interessant. Schade nur, dass wir nichts ueber die Autorin und ihrer Beziehung zu Bienen erfahren…

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[…] Hier könnt Ihr meinen Artikel lesen. […]

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Evi Guggenheim Shbeta

Ein sehr interessanter Artikel! Vielen Dank dafür!
Beim Lesen dachte ich an unser Projekt “Bees without Borders”.
Ich lebe und arbeite in dem jüdisch palästinensischem Friedensdorf Neve Shalom Wahat al Salam, dessen zentrales Anliegen die friedenspolitische Erziehung der nächsten Generationen und einflussreicher professioneller Erwachsenen zu fördern. Aus einem unserer “Umweltspezialisten Change Agent’s” Progamm für Umweltspezialisten ist das grenzenüberschreitende Bee Projekt entstanden. Bienen kennen keine Grenzen. In diesem Projekt sollen israelische und palästinensische Jugendliche sich gemeinsam auf die Entwicklung der biologisch-dynamischer Bienenzucht konzentrieren mit dem Ziel sowohl ihre Beziehungen zu fördern wie auch die Bienenbevölkerung in der ganzen Region zu erweitern……

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Leah Grantz
10 Tage

Wow, das hört sich sehr interessant an! Gerne würden wir mehr erfahren! Wärst du daran interessiert, einen Gastbeitrag hierzu zu verfassen?

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