Betach lo Frayerim - Die Identitätspolitik der israelischen Rap-Szene - Re:Levant
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Betach lo Frayerim – Die Identitätspolitik der israelischen Rap-Szene

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Am Anfang war der Schatten

Ganz genau stimmt das zwar nicht, aber das am Anfang der Jahrtausendwende gegründete Rap-Duo „Subliminal“ und „HaZel“ (dt. „Der Schatten“) gehören in der Tat der ersten Generation israelischer Rapper an, und waren wohl auch eines der erfolgreichsten – mit 80.000 verkauften Albums (ja, damals verkauften man noch Alben) und dem Look der amerikanischen Vorbilder, einschließlich Baggypants und Goldketten.

Politisch standen die beiden immer rechts – sie bezeichneten ihre Musik oft als „zionistischen Rap“, hängten sich große Davidsterne um, und auch die Texte strotzen nur so von jüdischen Stolz. Seitdem hört man noch von den beiden, allerdings kaum Rap-Musik: Subliminal sitzt in der Jury von „The Voice“, und „HaZel“ macht sich vor allen mit Talkbacks und oft hasserfüllten Facebook-Kommentare gegen Linke und Araber von sich reden. Er ist im wahrsten Sinne nur noch ein Schatten seiner selbst…

Das politische Pendant von „Subliminal“ und „HaZel“ waren zweifellos die Jerusalemer „Hadag Nachash“ (übersetzt „der Schlangenfisch“, im Hebräischen ist es eine Wortverdrehung von „Nahag Chadash“, also „Neuer Autofahrer“), die politisch eher links anzusetzen sind, und sich – anders als ihren Konkurrenten – in ihren Liedern oft gesellschaftlichen und sozialen Problemen widmeten und widmen. Eines ihrer bekanntesten Lieder war  „Anachnu Betach lo Frayerim“ (frei übersetzt „wir sind doch keine Opfer“, oder „uns nutzt man nicht aus“), ein anderes ist der von renommierten Autor David Grossmann aus politischen Slogan zusammengestellte „Sticker-Song„)

Walade zrir biAlami kbir

Mehr als die politische ist es aber die ethnische Identität, die israelischen Rap auszeichnet. Und so ist es nicht überraschend, dass DAM – eine Formation arabischer Israelis aus Lod – den Titelsong zu der Satiresendung „Awodah Arawit“ lieferte  – wo es um einen palästinensischen Araber und seine Familie ging, die versuchte, in der jüdischen Gesellschaft Anschluss zu finden.

Die obrigen Zeile („walade zrir biAlami kbir“) stammt von dem Lied, übersetzt: „ein kleiner Junge in einer großen Welt“. Später filmte Udi Aloni ein teils fiktionalisiertes Bio-Pic um den Hauptsänger von DAM, Tamer Nafach, namens Junction 48.

Der weisse Äthiopier

Das Politische und das Ethnische trafen sich kürzlich bei den Äthioperprotesten, als das Lied „Medinat Mishtara“ (Polizeistaat) von Ravid Plotnik, der sich früher Netschi-Netsch nannte, gewissermaßen zur Hymne der Proteste wurde. Plotnik ist Aschkenazi, und Netschi-Netsch ist amharisch für…weiß.

Frauen-Power

Äthiopischer Hip-Hop ist einer der neuesten Trends in der israelischen Rap-Szene, mit Bands wie „Kaffee Shachor Hazak“ (schwarzer, starker Kaffee) und Eden Darsso, die sogar auf Vogue gefeatured wurde. Sie repräsentiert auch die Frauen-Power, ebenso wie Bands wie 3Arapeye aus Akko – auch in Israel ist Hip-Hop nicht mehr nur Männersache.

Shalom-Salaam-Peace

Last but not least gibt es zwei Trends, die israelischen Hip-Hop einen ganz besonderen Stempel aufdrücken: Olim Chadashim (Neueinwanderer) und Spiritualität – ein Paradebeispiel ist „Peace in the World“ von Nissim Black, einem afro-amerikanischen Konvertiten zum Judentum und dem aus Kanada stammenden Avi Delevanti – das Lied hat religiöse Themen und wird in einer Mischung aus Französisch, Englisch und Hebräisch gesungen. „Gloire – c’est ton nome“ (Ruhm ist dein Name) singt Delevanti über Jerusalem – aber es passt auch auf ihn.

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Benjamin Rosendahl ist Projektleiter, Übersetzer und Journalist. In München geboren, lebt er in Tel Aviv mit seiner Frau Liron und der gemeinsamen Tochter Alma.

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