Der Koffer

Der Koffer

Eine israelische Familie trifft einen erleuchteten indischen Guru in einer Vorlesung in Israel. Er segnet sie, und es geschieht ein Wunder. Sie packen einen Koffer und reisen für ein Jahr nach Indien. Das Buch erzählt die Geschichte aus dem Blickwinkel jedes der Familienmitglieder, die alle eine persönliche Entwicklung erfahren. Jedes Kapitel behandelt einen anderen Aspekt von Yoga: Was ist Erleuchtung, Gibt es Wunder?, Warum gibt es Leid in der Welt? Und vor allem…. Ein Versuch zu verstehen, was Gott ist.

Galia Ferdmann befindet sich in einem Prozess von persönlicher Entwicklung, der nun schon sechs Jahre andauert. Im Alter von mehr als 50 Jahren schaffte sie es, “aus der Matrix auszubrechen”, einen Traum zu verwirklichen, und ein alternatives Leben zu leben. Ihr literarischer Guru, der “Smiling Baba” genannt wird, ist eine Zusammenfassung von etwa zehn verschiedenen erleuchteten Lehrern, die die Autorin während ihres geistigen Prozesses in Indien traf. Der Aschram, der im Buch beschrieben ist, ist eine Zusammenfassung von verschiedenen Aschrams und buddhistischen Tempel, die die Autorin besucht hat. Galia ist im Kibbutz geboren und hat ihre Kinder in Herzliya erzogen. Sie hat eine erfolgreiche Karriere in verschiedenen Bereichen hinter sich, wie Kunst, Werbung, Coaching und Healing. Heute ist der Aschram, in dem sie lernt, ihr zweites Zuhause.

Der folgende Auszug ist aus Kapitel 5, das von Johnny erzählt wird. Johnny und Meytal, die Eltern, kommen gerade von einem Treffen mit einem Guru zurück, wo etwas Erstaunliches geschehen ist. Aber zu Hause erwartet sie etwas viel Erstaunlicheres.

Galia Ferdman, Israel, Indien

Der Koffer

Galia Ferdman

Übersetzung: Uri Shani

Kapitel 5

Das Nächste ereignete sich parallel zu den Ereignissen im Saal. Der zweite “Tatort” war eine sichere Umgebung: bei uns zu Hause. Die Kinder fanden sie zuerst. Sie erschraken offenbar sehr, und gerade deshalb verhielten sie sich, wie wenn nichts geschehen wäre.

Auf dem Esstisch lag ein Koffer. Es war kein Köfferchen, oder eine Tasche, die wie ein Koffer aussieht, sondern ein großer Metallkoffer, der wie die alten Koffer aussah. Eher ein Museumsstück, als etwas was in eine Familie passt. Ein Koffer aus einer anderen Geschichte, der ohne Austauschzettel in unserem Haus gelandet war.

“Was ist das für ein Koffer?” fragte Meytal sofort. Ich dachte, sie würde den Kindern erzählen, was im Treffen geschehen war. Das war es, was sie am Telephon versprochen hatte. Der Koffer füllte sofort all ihre Aufmerksamkeit aus. Sie wartete auf eine Antwort, aber die Kinder wechselten nur Blicke untereinander und sagten nichts. Ihr Schweigen war verdächtig.

“Gehört der euch?” fragte ich eine direkte Frage.

“Nein”, sagten sie zusammen. Das war schon eine Gewohnheit geworden.

“Hat ihn jemand gebracht?”

“Nein”, antwortete Hadar. “Weiß ich nicht”, antwortete Paz.

Gut, da ist doch immerhin ein Fortschritt. Sie hatten vor, ihre Aussage aufeinander abzustimmen, aber hatten keine Generalprobe gemacht.

“War jemand da?” fuhr ich fort, in der Hoffnung, ein wenig Klarheit zu schaffen.

“Nicht wirklich”, sagte Hadar.

“Nicht wirklich heißt… was? Niemand war da, niemand hat einen Koffer hinterlassen. Und er gehört nicht euch. Das heißt, wir haben einen Koffer auf dem Esstisch, der niemandem gehört.”

“Genau”, sagte Paz mit einem Gesicht von angestrengtem Nachdenken.

“Wir können hier nicht den ganzen Tag verplempern”, sagte Meytal, öffnete den Koffer und fiel fast um vor Überraschung. Im Koffer lagen friedlich sauber geordnet große Stapel von Geldscheinen. Alle möglichen Scheine waren da. Euro, Dollars, englische Pounds.

Was soll das? Wie kam das hierher?

Jetzt saßen wir schon alle rings um den Tisch. Wir fragten und spekulierten, aber niemand konnte irgend etwas eklären.

Vor uns lag ein Koffer, gestopft voll mit Geld, der uns sozusagen vom Himmel geschickt wurde.

Wir erzählten den Kindern, dass wir soeben von einem Treffen mit einem erleuchteten indischen Guru zurückgekehrt seien, und dort hätten wir uns eine Million Dollar gewünscht. Warum ausgerechnet eine Million? Kein Grund. Wir hatten nur einfach so eine runde Summe genannt, die in den Fantasien von Vielen existiert.

Wie konnte das sein? Was geschieht hier?

“Alles wegen deines Gurus”, warf ich Meytal vor.

“Er ist nicht mein Guru, sondern Ssiwans Guru.”

“Das ist egal, wessen Guru er ist!” Jetzt war ich wütend. “Wir haben jetzt ein Problem im Haus, und ich habe keine Ahnung, was damit zu tun ist.”

Meytal ließ es nicht auf sich sitzen. Sie bestand darauf, dass der Koffer ein Geschenk sei. Und wenn ich das nicht so sähe, sei ich einfach undankbar. Die Kinder fanden, dass sie recht habe. Es entstand also ein Komplott. Alle gegen Papa. Alle denken, es sei ihnen ein Wunder geschehen. Und nur ich verstehe die Wahrheit.

Dieser Abschnitt handelt vom ethischen Dilemma, und auch von der Hauptfrage: Gibt es Wunder?

Galia Ferdman, Israel, Indien

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