Die galaktische Schirli Sonne - Re:Levant
Israel, Wirtschaft, Humor, Kinder, Roman

Die galaktische Schirli Sonne

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Diesmal etwas für unsere jugendlichen Leser.

Schirli Sonne ist ein mutiges Mädchen und ein Genie und wohnt mit ihrem Vater Fredi in einem kleinen Haus in Tel-Aviv. Sie hat zwei Tauben, mit denen sie in einer Geheimsprache spricht. Ihr Vater hat einen Falafelstand, und sie leben bescheiden, aber glücklich. Aber jetzt hat Fredi seinen Falafelstand verloren. Sie verkaufen alles, was sie haben, aber es genügt nicht, um die Miete zu bezahlen.


Kommt und lernt Schirli kennen, in einem Buch, das in Israel ein Bestseller wurde und mit Preisen ausgezeichnet.

Michal Hazon wurde 1961 geboren und schreibt auch Drehbücher. 2016 erhielt sie zwei Preise für ihre Bücher. Wir haben im November einen Auszug aus „Wie du willst“ publiziert, das demnächst auch als Kinofilm auf die Leinwand kommen wird.

Die galaktische Schirli Sonne

von Michal Hazon

Übersetzung: Uri Shani

Drittes Kapitel

Rüdes Pochen von Stiefeln auf dem Weg zum Haus weckte Schirli morgens auf. Es erinnerte Schirli daran, dass der schlimme Augenblick, vor dem sie sich gefürchtet hatte, gekommen war. Der Augenblick, an dem sie und ihr Vater ihrer Hausbesitzerin, der Frau Griesgram Müllkugel, gegenüberstehen mussten. Und ausgerechnet heute kam Frau Müllkugel zu früh, denn sie hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, vor Freude darüber, dass sie am Morgen von allen Mietern den Mietzins einstreichen werde. Ganz in Grau gekleidet klopfte Griesgram mit dem Spitz ihres Regenschirms auf die Fenster.

„Steht auf, Faulenzer! Was, ihr schläft noch? Wie kann man zu so einer Stunde noch schlafen? Es ist ja schon sechs Uhr früh!“

Schirli sprang vom Bett, sah die Griesgram, und mit ihr, wie üblich, ihren verwaisten Neffen, Zucki, der einen großen Sack mit sich schleppte, in dem das Geld verwahrt wurde, das sie von den Mietern erhielten.

Zucki war noch verschlafen, und seine Augenlider klebten noch aneinander, sein Gesicht verschmiert mit Pudding, das er gegessen hatte. Er trug, wie gewöhnlich, zu kleine Kleider, und die Knöpfe seines Hemdes platzten fast auf seinem Ranzen. Frau Griesgram Müllkugel ging mit schnellen Schritten zur Eingangstür, während Zucki widerwillig hinter ihr herging.  

„Herr Sonne!“ Ihre scharfe Stimme zerschnitt die Luft und weckte Taube und Täubchen. Die Tauben streckten neugierig ihre Schnäbel aus dem Taubenschlag. Sie rochen Gefahr.

„Herr Sonne!“ schrie Frau Müllkugel wieder. „Erinnern Sie sich, dass heute der erste Juli ist? Steht das auf Ihrem Kalender, oder ist Ihr Gehirn eingerostet und ins Stottern geraten, wie ihr altes Auto, und Sie haben vielleicht vergessen, dass Sie mir heute ihre Miete bezahlen müssen?“

Fredi zog sich seinen alten, zerschlissenen Mantel über das Streifenpijama und ging hinaus in den Vorhof. Schirli zog sich schnell an und sprang ihm nach. Sie würde ihrem Vater nicht erlauben, gegen die Griesgram alleine in der Arena anzutreten.

„Tut mir leid, Frau Müllkugel, es war ein ziemlich schwieriger Monat. Vielleicht, wenn Sie ein wenig warten wü…“

„Ich warte nicht einmal eine Minute! Haben Sie das Geld für mich, oder haben Sie es nicht?“

Schirli sah auf Fredi. Er war zwar traurig, aber er fürchtete sich nicht vor Frau Müllkugel.

„Kein Geld, diesen Monat.“ Er fuhr leise fort: „Aber ich bin sicher, dass ich es bald haben werde. Und dann kann ich Ihnen alles zurückzahlen, was Sie verdienen, wenn Sie nur Geduld hätten…“

Frau Müllkugel betrachtete Fredi, als hätte sie nicht recht gehört.

Danach, ohne jede Vorwarnung, begann sie zu lachen, was Taube und Täubchen aus ihrem Taubenschlag verscheuchte. Sie flogen in den Himmel und schauten von dort auf Frau Müllkugel hinunter.

Sie lachte mit ihrem sägenden Lachen, was Schirlis Rücken erzittern ließ, und dann wedelte sie mit ihrem dünnen und spitzen Finger vor Fredis Gesicht und sagte: „Ich warte auf niemanden! Aber weil Sie immer ein guter Mieter waren, für das Haus gesorgt haben und immer zeitlich gezahlt haben, bin ich bereit, bis zum Abend zu warten. Ich werde vor Sonnenuntergang kommen. Wenn Sie bis dann das Geld nicht haben – können Sie ihre Lumpen einpacken und ihre Tochter, die mir auf die Nerven geht, anbinden und verschwinden!“

Schirli hörte Griesgram Müllkugel und sah das traurige Gesicht ihres Vaters. Niemand sollte so über sie sprechen! Sie wollte es nicht über sich ergehen lassen, dass diese Frau sie und ihren Vater beleidigte.

„Katscha magi fala fik!“ sagte sie.

„Was?“ fragte Griesgram Müllkugel.

„Katscha magi fala fik!“ wiederholte Shirli.

„Was hast du gesagt?“ fragten alle. Niemand verstand. Aber Taube und Täubchen verstanden. Sie flogen über Griesgrams Kopf und hinterließen ihre Kacke auf ihrem Kopf. Genau, sie kackten ihr auf den Kopf!

„Igittigitt!“ schrie die Müllkugel hysterisch. „Wie abscheulich! Ihre Tauben sind unerzogen! Ich packe sie sofort und drehe ihnen den Hals um!“ schrie sie, während sie versuchte, mit Hilfe eines Handtuches den Kot von ihrem Kopf abzuwischen. Taube und Täubchen gurrten zufrieden und flogen ganz nahe an ihrem Kopf vorbei. Griesgram hüpfte und versuchte, sie zu packen, aber jedes Mal, wenn sie dachte, dass sie sie erreichte, hoben Taube und Täubchen ab und brachten sie zum Rasen.

„Wartet nur, ich krieg euch noch! Zucki, hilf mir! Warum stehst du reglos da wie ein Kaktus?“ Aber ihr verwaister Neffe kicherte nur. Es amüsierte ihn, wie zwei Tauben Griesgram aus der Fassung gebracht hatten. Griesgram schnaubte wütend und warf ihm einen furchterregenden Blick zu, wie ein Tiger im Dschungel, der sich gleich auf sein Opfer stürzen wird, was Zucki sofort das Lächeln vom Gesicht wischte. Dann stellte sie sich auf einen alten Stuhl, der im Hof stand, und wedelte mit ihrem Regenschirm, die Tauben bedrohend, die fröhlich zwitschernd darüber flogen.

„Wartet nur, was ich euch noch antun werde, grässliche Viecher!“

Vor lauter Wut nahm sie nicht wahr, wie wackelig der Stuhl war, als sie auf ihn stieg und zu hüpfen versuchte. Er zerbrach sofort, und Griesgram fiel zu Boden.

„Oh weh! Oh weh! Mein Bein! Mein Knöchel! Sie haben das absichtlich gemacht! Ich werde Sie verklagen! Sie werden noch von meinem Anwalt hören!“

Griesgram befreite sich von den Trümmern des Stuhles und humpelte in Richtung Gartentor. „Oh, Sie, Herr Sonne! Sie und ihre schreckliche Tochter, und diese frechen Vögel – Sie verlassen alle mein Haus! Jetzt! Ich warte nicht einmal bis zum Abend, und auch wenn Sie mir Geld bringen – ich bin nicht mehr bereit, Ihnen mein Haus zu vermieten! Niemals mehr! Ich bin fertig mit Ihnen!! Damit Sie wissen, dass sich niemand über Griesgram Müllkugel lustig macht!“

Frau Müllkugel hielt einen Moment mit dem Schreien inne, und es war plötzlich still.

Fredi und Schirli schauten sich still an.

Sogar Taube und Täubchen unterbrachen ihr Gurren und saßen still auf dem Zaum. Was sollte jetzt werden?

Fredi schaute Griesgram geradewegs in die Augen und sagte: „Sie haben vielleicht mehr Geld als ich und sind in diesem Sinn reicher, aber in allem Anderen sind Sie ärmer. Ich bemitleide Sie, Griesgram Müllkugel. Ich brauche keinen Gefallen von Ihnen! Schirli und ich packen unsere Sachen und gehen.“

Innert weniger Minuten leerte sich das kleine Haus, und Zucki fragte: „Tante Griesgram, wer wird hier jetzt wohnen?“

„Ah! Das wird kein Problem sein, neue Mieter zu finden. Mit dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage in der ganzen Welt haben viele Menschen ihre schönen Häuser verloren, und sie brauchen etwas Billigeres“, antwortete Griesgram und schaute schadenfreudig Fredi und Schirli nach, wie sie ihre wenigen Sachen auf Starki, ihren alten Lastwagen, luden. „Keine Sorge, Zucki, dieses Haus wird nicht lange leer bleiben.“

Starki hustete und hustete, hechelte grauen Rauch vom Auspuff, und sprang schließlich an.

Schirli, Fredi und die Tauben zogen davon.

Ihr Haus sah leer und verlassen aus, und niemand winkte ihnen zum Abschied oder wünschte ihnen ‚Gut Glück‘.

„Wohin fahren wir?“ fragte Schirli.

Aber niemand hatte eine Antwort für sie.

Wenn Ihr die Antwort wissen wollt, wartet auf das nächste Kapitel.

Israel, Roman, Sucht, Sex, Psychologie, Therapie, Michal Hazon
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Uri Shani ist in der Schweiz geboren und lebt seit 35 Jahren in Israel. Er ist professioneller Übersetzer für Literatur aus dem Hebräischen ins Deutsche. Sein "Übersetzer-Credo" könnt ihr im Link nachlesen:

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Benjamin
Benjamin
1 Monat

Sehr schoen! Nebenbei – wie heisst Muellkugel Griesgrammel eigentlich im Original?

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Benjamin
Benjamin
1 Monat
Antworten  Uri Shani

danke!

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Rosebud
Rosebud
1 Monat

Das Buch koennte mA gut zum Ariella-Verlag passen: https://ariella-verlag.de/5-jahre-ariella-verlag/

Was meinst du, Uri?

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