Die singende Palme
Der junge Sänger Dekel Vaknin hat sich seit der Corona-Krise in die Herzen der Israelis gesungen. von Benjamin Rosendahl

Die singende Palme

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Der junge Sänger Dekel (deutsch: Palme) Vaknin hat sich seit der Corona-Krise in die Herzen der Israelis gesungen. Was vor ca. 3 Monaten als ein Gimmick von aufgenommenen Grußvideos mit Gesang begann, entwickelte sich zu einem viralen Trend, der mit einem Plattenvertrag beim sehr erfolgreichen Label „Liam Hafakot“ und einer Werbekampagne für Eiscreme bereits einen Höhepunkt hat. Kein schlechtes Resumé für den Jungen aus Tiberias, der nicht einmal einen Schulabschluss vorweisen kann. Wie auch? Er ist 14 Jahre alt.

Regnerischer Tag am Ende der Säson

Man muss sich die Augen reiben: Dekel Vaknin zündet bei der offiziellen Zeremonie des israelischen Unabhängigkeitstag eine Fackel an? Und wird von Premierminister Netanjahu mit Applaus belohnt, auch als er es nicht schafft, Corona auszusprechen – stattdessen „Corolona“ sagt – und Israel für eine Frau hält, die ihren 72. Geburtstag feiert? „Die Arme, jetzt ist sie in einer Risikogruppe“, so Vaknin. Dann singt er das Lied, das er bei jeder Video-Grußbotschaft singt: „Jom Gaschum beSof Ona“, also „regnerischer Tage am Ende der Säson“.

Der junge Sänger Dekel Vaknin hat sich seit der Corona-Krise in die Herzen der Israelis gesungen. von Benjamin Rosendahl

Bei zweiterem Hinsehen stellt sich heraus, dass es sich um das israelische Satireprogramm „Eretz Nehederet“ handelt, und es ist auch nicht wirklich Vaknin, der da eine Rede hält, und singt – und sich beschwert, dass er im Gegensatz zu Gleichaltrigen nicht einmal Zeit für eine Zigaretten-pause hat, sondern die Schauspielerin Gaya Beer Gurevitz. Die Fehler bei der Aussprache von „Corona“ und anderen Wörtern sind aber von echten Auftritten Vaknins übernommen.

Es ist trotzdem eine große Ehre für Vaknin – in der Satireshow werden hauptsächlich Politiker und Prominente großen Namens imitiert.

Love, Dekel Vaknin

Vaknin war bis vor einem halben Jahr ein Schüler in Tiberias, der als Hobby gerne sang, ein wunderbares Mawwal,[a1]  und den niemand kannte. Wegen seines Übergewichts wurde er gehänselt. Dann sprach sich sein Gesangstalent zum israelischen Sänger Moshe Peretz durch, der Vaknin 2019 bei einem seiner Konzerte auf die Bühne brachte, um mit ihm ein Duett zu singen.

Und dann kam Corona.

Das Ausgehverbot bereitete sämtlichen Familienfeiern ein jähes Ende vor. Zoom ersetzte physische Treffen, und whatsapp-Grüße physische Umarmungen. In das Vakuum der gesungenen Ständchen wurden die Videos von Vaknin bald viral, und bald verschickte das ganze Land statt „Happy Birthday“-Videos Grußbotschaften von Dekel Vaknin, mit dem Lied „Jom Gaschum“ und einem virtuellen Kuss, gefolgt mit den Abschlußworten „Ohew, Dekel Vaknin“, also „Love, Dekel Vaknin“.

Während also die Erwachsenen arbeitslos und mit Ausgangssperre zuhause herumsaßen, bekam Dekel Vaknin bis zu 2000 (!) Anfragen für gesungene Videobotschaften, an denen er – bzw. seine Eltern – nicht schlecht verdiente.

Mit solchen Freunden…

Guy Peleg, der Rechtskorrespondent des zweiten israelischen Fernsehens, der u.a. die Prozesse gegen Netanjahu begleitete, wusste nicht richtig, wie er das berichten soll: Ein Video von Dekel Vaknin war aufgetaucht, bei dem Shmulik Harosh, eine bekannte und gefährliche Persönlichkeit der israelischen Unterwelt, den Arm um Dekel Vaknin legt, und dieser ein Lied an Michael Mor, einen Rivalen Harosh widmet, der in Haft ist: „Dein Wort gilt nichts, und du bist nicht der Mann, der du mal warst“, heißt es da unter anderem.

Die durch Dekel Vaknin gesungene Drohung der Mafia ließ nicht auf Antwort warten: „Bald werde ich entlassen“, drohte Michael Mor – in anderen Worten: Rache ist süß.

Eis am Stiel

A propos süß: der Popularität Vaknins scheint diese Affaire keineswegs geschadet zu haben. Er ist bereits Star in einer Eiscreme-Werbung, wo er zeigt, dass nicht nur Rache süß ist – und dass der regnerische Tag am Ende der Säson durch die heißen Tage des Sommers ersetzt werden.

Der junge Sänger Dekel Vaknin hat sich seit der Corona-Krise in die Herzen der Israelis gesungen. von Benjamin Rosendahl

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