Post Aliyah Blues

Post Aliyah Blues

KeepOlim ist eine Bewegung, die von LiAmi Lawrence und Tzvika Graiver gegründet wurde. LiAmi, selbst ein Oleh (= Einwanderer nach Israel) aus Los Angeles, war vor vier Jahren kurz davor, das Handtuch zu schmeissen, und Israel wieder zu verlassen. Zum Glück ist er auf die Idee gekommen eine Facebookgruppe namens “KeepOlim in Israel” zu gründen, um seinen Frust rauszulassen. Andere Olim bzw. Neueinwanderer nach Israel konnten sich mit dieser Gruppe identifizieren und nach nur drei Tagen sind über 3000 Mitglieder hinzugestoßen. Inzwischen hat sich diese Gruppe zu einem Netzwerk entwickelt, die Olim hilft gemeinsam Probleme zu bewältigen.

Einwanderungs – und Auswanderungsland

Israel gilt als klassisches Einwanderungsland für Juden oder Menschen mit jüdischen Vorfahren. Diese Einwanderer nach Israel werden Olim genannt. Ein Ole oder eine Olah macht Aliyah (“Aufstieg”). Seit der Gründung dieser Facebookgruppe, konnten unzähligen Olims geholfen werden.

LiAmi Lawrence hat es tatsächlich geschafft, diese Gruppe zu einem eingetragenen gemeinnützigen Verein zu verwandeln und die israelische Gesellschaft auf die geläufigsten Probleme hinzuweisen, die Olim bewältigen müssen. Er konnte dieses Anliegen sogar fünfmal in der Knesset – also im israelischen Parlament – vortragen. Die Gruppe besteht inzwischen aus 40000 Mitgliedern aus 100 Ländern. Ein Drittel der Mitglieder sind aus Russland und der Ukraine.

Hohe Selbstmordrate unter Olim

Eines der wichtigsten Probleme, mit denen sich “KeepOlim in Israel” beschäftigt, ist die hohe Suizidrate unter den Neueinwanderern. Bis dato war es nicht bekannt, dass die Selbstmordrate in Israel am höchsten unter den Olim ist.

Ein Drittel aller Selbstmorde bzw. Todesursachen aufgrund einer Überdosis (es gibt Familien, die es bevorzugen den Tod als Überdosis eingetragen zu bekommen) gehen auf Olim zurück.

Diese ernüchternde Statistik hat dazu geführt, Selbsthilfegruppen auf Englisch und Russisch aufzubauen. ERAN, die bekannteste Selbstmordhotline für seelische Notfälle hilft Verzweifelten und Selbstmordgefährdeten entweder auf Hebräisch oder Arabisch. Viele Olim anderssprachiger Herkunftsländer fühlen sich perspektivlos und alleingelassen.

KeepOlim baut derzeit eine Krisenhotline in sechs Sprachen auf und möchte Olim individuelle Therapiestunden ermöglichen – in deren Muttersprachen.

Lone Soldiers

Olim, die hierherkommen um der Armee zu dienen,  werden Lone Soldiers (Chajal Boded) genannt. Sie kommen alleine nach Israel, ohne ein Netzwerk oder Familie, um dem Land und den Leuten zu dienen. KeepOlim hat erkannt, dass diese Soldaten oft seelische Probleme bewältigen müssen ohne sich jemand anvertrauen zu können.

Diese Woche hat sich ein weiterer Chajal Boded das Leben genommen. Sein Name ist Alex Sasaki ז״ל, im folgenden Clip kann man LiAmi Lawrences Stellungnahme hierzu sehen.

Kein Oleh alleine an den Chagim (jüdische Feiertage)

Ein großes Problem für Olim ist, die ohne Familie hier sind, ist, dass sie nicht wissen, wo sie die Feiertage verbringen sollen und das kann das sehr bedrückend sein. KeepOlim hat über 1200 Olim geholfen einen Platz für die an den Chagim zu organisieren. Und die Palette ist recht erstaunlich: Olim haben die Wahl von ultra-orthodox chassidischen bis zu säkular vegetarischen Familien.
Hierzu gibt eine nette Anekdote, die nicht israelischer sein könnte:.

Ein Schwuler, eine Lesbe und eine Transvestit gehen zu einem orthodoxen Seder

In Haifa gab es drei Freunde, die einen Platz für den Seder gesucht haben. Ihnen war es wichtig einen Platz in einer orthodoxen Familie zu ergattern. Die Konstellation der Freunde war für eine orthodoxe Familie jedoch eher ungewöhnlich. Einer war schwul, die andere war lesbisch und das wäre weiter nicht aufgefallen, aber die dritte Person im Bunde war ein Transvestit. Diese Troika hat dank KeepOlim einen sehr netten Platz in einer orthodoxen Familie in Haifa erhalten und allen Beteiligten wird dieser Chag immer in Erinnerung bleiben.

Chanukka mit KeepOlim, Photo mit freundlicher Genehmigung von KeepOlim

Avoda Kdoscha (Hilfe fürs Leben)

Es gibt viele weitere Anliegen, die KeepOlim in die Tat umgesetzt hat:

  • Stütze für Obdachlose KeepOlim hat fünf Obdachlosen geholfen und denen ein Dach über den Kopf gegeben.
  • Hungrige Olim Es gibt Olim, die nicht genügend Geld für Essen haben. KeepOlim hilft diesen Bedürftigen und besorgt ihnen Nahrungsmittel.  Das israelische Innenministerium und Merkaz HaKlita (die Behörde, die für die Aliyah zuständig ist) unterstützen das Projekt.
  • Eine Schulter zum Ausweinen Olim haben jetzt jemanden, dem sie ihre Sorgen und Nöte mitteilen können und KeepOlim ermutigt sie dazu. Allein letztes Jahr erreichten uns 70 Telefonate, die aufgrund einer einfachen Facebookanfrage eingegangen sind.

Viele Olim verlassen Israel

Über 40% der französischen Olims haben das Land verlassen, 35% der russischen, und über 50% der angelsächsischen Olim haben sich dazu durchgerungen Israel Lehitraot (auf Wiewidersehen) zu sagen. LiAmi Lawrence berichtet, dass in den vier Jahren, seit er Aliyah gemacht hat, über 240 Leute aus seinem Freundes – und Bekanntenkreis das Land verlassen haben.

Tipps von LiAmi für Leute die Aliyah machen möchten:

  • Sprache Lerne Iwrith bevor du nach Israel kommst, ansonsten wird es schwierig für dich.
  • Komm mit Geld! Wenn du keine Ersparnisse hast, fang an zu sparen. Ansonsten wirst du Probleme haben.
  • Schraube deine Erwartungen runter und sei offen! Wenn du herkommst, kannst du nicht den gleichen Standard wie in deinem Herkunftsland erwarten – weder beruflich und noch privat, wenn du hierher kommst. Versuche offen zu sein. Egal, was du in Berlin oder Düsseldorf gemacht hast, du wirst ein anderes Leben in Tel Aviv, Haifa oder Jeruschalajim haben.
  • Komm mit einem Business Plan. Für viele Olim ist es besser ein eigenes Geschäft aufzubauen, vor allem für ältere Olim. Es gilt, je älter man ist, desto schwieriger ist es für dich hier Fuss zu fassen, vor allem beruflich. Die israelische Regierung hilft Geschäftsgründern und das sogar sehr gut sogar.

KeepOlims Errungenschaften

Zum Schluss sind hier noch ein paar Errungenschaften, auf die LiAmi Lawrence persönlich sehr stolz ist:

  • Wir haben das Führerscheingesetz geändert, das Olim einfacher ihren Führerschein konvertieren können. Früher war es sehr kompliziert dies zu organisieren und es hat sich wie ein “Scam” angefühlt.
  • Eine Lobby im Knesset.
  • Ich habe fünf Mal in der Knesset gesprochen.

Dies hier ist ein kleiner Einblick in die Organisation KeepOlim.  Es gibt viel mehr zu entdecken und erfahren. Wer mehr über KeepOlim erfahren möchte oder ehrenamtlich mithelfen möchte, kann das gerne über die Webseite machen. Keep Olim ist ein gemeinnütziger Verein und heisst Spenden jederzeit willkommen.

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